Ich will auch mal ein Schwein sein

Kennt ihr sicher: Manchmal vergisst man einfach die gute Kinderstube. Manchmal bringt einen eine gewisse Sorte Mensch so auf die Palme, dass man auch gern mal pöbeln würde wie diese Ekelgeiferer in Social Media. Aber im echten Leben fällt einem im Ernstfall oft nichts ein, weil man zu baff ist. Heute hatte ich Glück. Mir kam nämlich so ein richtig mieser, fieser Rassist unter - und der hatte herrlich Pech, dass ich vorher schon einen Aufreger in der Servicewüste erlebt hatte. Sprich, ich war auf 180 und noch nicht abgekühlt.

Foto: AmberAvalona / pixabay
Ausflug nach Deutschland in eine mittelgroße Stadt, in der schon immer Einheimische und Menschen aus anderen Ländern friedlich miteinander lebten. Ich fahre aus dem Parkhaus, Tempo-30-Zone. Eine Frau mit Kleinkind und Kinderwagen wartet am Straßenrand. Weil ich es nicht eilig habe und weiter vorne sowieso halten muss, stoppe ich und winke sie über die Straße. Völlig normaler Vorgang in Frankreich - Frauen mit kleinen Kindern haben eigentlich immer Vorfahrt. Ich mach das auch gern in Deutschland. Die Frau ist das aber offenbar nicht gewohnt und bedankt sich dreimal.

Wenige Schritte von ihr entfernt steht ein bierbäuchiger, ungepflegter Giftsack im Rentenalter, Typ Ellenbogenlüfter in Wohnblockfenstern. Und hebt an, zu giften. Weil ich eine Frau über die Straße gelassen habe, die mit einem langen Mantel und Kopftuch völlig verhüllt ist, eine Ausländerin! Mit Kopftuch! Der Giftzwerg mit Übergewicht, der jetzt halb auf der Straße steht, fuchtelt und möchte sich so richtig einspucken, weil sein Blick schon auf mein ausländisches Nummernschild fällt. Ich sehe die Zahnrädchen in seinem Kopf in Zeitlupe ächzen: Noch 'ne Ausländerin, typisch! Bei 20 Grad sind die Fenster geöffnet, ich höre seinen absolut dreckigen Rassistenfluch genau. Nicht mit mir. Nicht heute!

Madame macht eine Vollbremsung, wie man bei Tempo 15 eben voll bremsen kann. Und dann bricht es aus mir heraus, in Bühnenlautstärke: "Mann, was machen Sie denn da! Unter Hitler hätte es das aber nicht gegeben!"
Da - er hat gezuckt, ich habe ihn ertappt.
"Dass ein ordentlicher Deutscher einfach auf der Straße steht, dass hätte man unter Hitler nicht geduldet! Für ordentliche Deutsche ist der Gehweg da, verdammt!"
Er zuckt zurück ... auf den Gehweg. Brav, Männeken, brav.
Aber ich bin noch nicht fertig, ich habe eine solche Wut in mir!
Den Generalston habe ich aus der Hundeausbildung: "Und jetzt marsch, zeigen Sie, dass Sie ein korrekter Deutscher sind. Jetzt laufen Sie da vorn zur Ampel und dort warten Sie, bis es grün ist, aber zackig Mann, Abmarsch! Heil den Galliern!"

Diesen Anblick werde ich nie mehr vergessen. Das Rassistenschweinlein sah so bedröppelt aus, als hätte es in die Hose gemacht. Irgendetwas war auch mit seinem Kiefer kaputt, der Mund ging nicht mehr zu, obwohl kein Ton herauskam. Die Zahnräder im Kopf hatten sich festgefressen. Mit dem schönsten französischen Stinkefinger bin ich dann an ihm vorbeigebraust, wie man mit 30 km/h eben brausen kann. Alles muss man sich wirklich nicht gefallen lassen. Wenn man aus Gallien kommt, schon gar nicht!

1 Kommentar:

  1. Großartig, auf die Gallier ist einfach immer noch Verlass! Mein Lacher des Tages, danke!

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