Die Zukunft wird heiß!

Das mit dem Zeitgeistgefühl ist so eine Sache. Manchmal scheinen alle schwarz zu sehen; manchmal möchten nur manche, dass wir die Hoffnung verlieren und uns so richtig gruseln. Das soll aber bitte möglichst diffus aussehen, denn nur wer seine Ängste nicht benennen kann, kann auch nicht dagegen angehen. Solche Zeiten sind besonders schwer für Kinder der 1960er - zu denen ich gehöre. Aber es gibt Hoffnung!

Foto: PeteLinforth/pixabay

Fangen wir am Anfang an: als ich klein war. Wir spielten im Sandkasten mit niedlichen Gespenstern und Daktari-Figuren, bauten aber eher Mondstationen als Burgen. Mädchen spielten zwar mit den ersten Barbiepuppen, die 1964 nach Deutschland kamen, aber wir ließen sie auf Raketen reiten. Wer träumte eigentlich nicht davon, ins All zu fliegen, ferne Planeten zu erkunden und auf dem Raumschiff Orion anzuheuern? Noch hatte die Enterprise nicht einmal den großen Teich überwunden! Aber bei jedem Start ins All fieberten wir mit - und ich werde nie mehr im Leben vergessen, wie wir alle live bei der ersten Mondlandung der Menschheit vor der Glotze hingen. Eine Livesendung war technisch gesehen schon gewaltig, aber erst die Mondlandung, die Funkgespräche zur Erde!

Das alles löste eine unwahrscheinliche Zukunftsgläubigkeit aus, eine Begeisterung für Technologie und sprühende Fantasie: Wir konnten es gar nicht erwarten, was alles möglich schien. Raumfahrt wurde Kult, sogar die Ducks erkundeten das All, Science Fiction fühlte sich an wie Übermorgen. Und wenn Serien wie "Time Tunnel" liefen, waren die Straßen wie leergefegt. Am hartnäckigsten hielt sich die Idee, dass eines Tages Autos überflüssig würden, weil sich der Mensch auf automatischen Rollbändern zu Fuß durch die Städte bewege. Wir träumten von Maschinen zum Umhängen, die jeden Alien-Dialekt in jede Sprache übersetzen könnten, vom Zeitreisen und künstlichem Wettermachen. Einmal hatte ich einen Traum, in dem ich seltsam seitwärts mit mehreren Menschen in einem Auto saß und durch unschön ausgeräumte Landschaften fuhr. Von dieser "Zukunftsvision" war ich regelrecht schockiert, was für ein verrückter Traum: Dieses Auto fuhr von selbst! Lustig ist es, später in der Zukunft rückwärts zu schauen: Was hat sich erfüllt und was kam ganz anders?

Heute ist ein Tag, an dem dieses Gefühl der Spannung auf die Zukunft wieder da ist. Wir hören zwar immer häufiger von Robotik und Künstlicher Intelligenz, aber im Gegensatz zu den 1960ern beschreibt man es heute allzu gern als Bedrohung denn als Chance. Dabei haben unsere SchriftstellerInnen und FilmemacherInnen all das längst herbeigeschrieben. Inzwischen jedoch mehren sich die Entdeckungen, von denen selbst Wissenschaftler kaum erahnen, welche Möglichkeiten sie einmal bergen könnten. Es klingt wieder, als sei Science Fiction Gegenwart, als habe die Menschheit weit mehr drauf als das Anzetteln von Kriegen und das Zerstören von Errungenschaften. Jedenfalls der Teil der Menschheit, der denkt ...

In der Theorie gab es die Idee schon seit einiger Zeit, aber jetzt gelang es zwei unabhängigen Teams von WissenschaftlerInnen fast gleichzeitig und mit zwei Methoden, sogenannte "Zeitkristalle" nicht nur zu beschreiben, sondern herzustellen. In deutschsprachigen Massenmedien hat sich das noch nicht so herumgesprochen, aber man kann es schon nachlesen. Und weil ich selbst noch drei Knoten im Kopf habe, wenn ich mir ausdenken möchte, was das alles bedeuten und machen könnte, lasse ich es diejenigen erklären, die es können. Meine Linktipps:
In der englischen Version (mein Favorit) wird angesprochen, wozu diese "Zeitkristalle" gut sein könnten. Ob sie erklären, wie die Tardis funktioniert, wie jemand bei FB bemerkte? Man erhofft sich jedenfalls von den Zeitkristallen eine Anwendung bei den Quantum-Computern, in der Zukunft. Die Forschungen an dieser Technik machen enorme Fortschritte, erst gestern vermeldete Science, dass es gelungen sei, einem Quantum-Computer das Erkennen von Bäumen in Landschaftsaufnahmen "beizubringen". Was man damit alles anstellen könnte? Unsere Fantasie kann wieder sprießen!

Ausgerechnet heute schneit eine weitere Entdeckung zum Themengebiet herein: Datenspeicherung. Ein wichtiges Thema, bei der schier unendlich wachsenden Menge von Daten. Wir alle können uns an die riesigen und fast unerschwinglich teuren Festplatten von früher erinnern, die immer rasanter kleiner wurden, während die Prozessoren sich fast ebenso schnell verbesserten.

Forschern von IBM ist es jetzt gelungen, erstmals eine Datenmenge auf einem einzelnen Atom zu speichern! Und zwar konnten sie ein einzelnes Atom mit dem binären Wert von 0 oder 1 codieren. Die Experten vermuten, dass damit Festplatten um das 1000fache verdichtet werden könnten. Und natürlich experimentiert man mit solchen Entdeckungen auch im Hinblick auf Energieersparnis.

Denken wir das alles zusammen mit den bahnbechenden Entwicklungen in Sachen KI und Robotik, so steht die Menschheit schon jetzt vor einem faszinierenden Umbruch, einer neuen Disruption. Ich denke, es wird höchste Zeit, die Entwicklungen der Gegenwart kreativ und zum Wohle aller in die Hand zu nehmen, anstatt den ewig gestrigen Populisten und Rechtsradikalen nachzurennen, welche die Menschheit am liebsten wieder ins Mittelalter zurückwerfen würden, weil sich das vermeintlich gemütlich anfühlt. Denn auch das passiert leider gleichzeitig mit den Innovationen: Ausgerechnet der Chef der Umweltbehörde der Regierung Trump leugnet jetzt lautstark die Zusammenhänge aus der Klimaforschung. Der Mensch ist eben zu beidem fähig: Dummheit und Forscherdrang.

Update: Im Moment rauschen die Nachrichten von ähnlichen Entdeckungen nur so herein. Neben der Arbeit an Quantum-Technologie erforscht man seit einigen Jahren auch die Möglichkeit, Daten auf synthetisch hergestellten DNA-Molekülen zu speichern. Würde das eines Tages im Bereich der Massenanwendung gelingen, könnte man alle Daten dieser Welt in einem einzigen Raum speichern - und das haltbar über die Zeiten. Das ist zwar Zukunftsvision, aber ein großer Durchbruch ist gelungen, wie die Columbia Universität und das New York Genome Center berichten.

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Kommentare:

  1. Trotz einer ausgeprägten Furcht vor Robotern finde ich diese Entwicklung auch sehr spannend. Ich liebe es wenn die Realität die Science Fiction einholt - es muss ja nicht gleich Skynet oder ein Zylon sein... :-D

    Liebe Grüße,
    Sam

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  2. Ich hab die Serie "Real Humans - Echte Menschen" verschlungen, da kamen erstaunlich gegenwärtige Ethikfragen hoch, obwohl Science Fiction ...
    Dir auch liebe Grüße,
    Petra

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